Heads-up surgery - Florian Heussen

Heads-up Surgery: Zwei 3D-Systeme im Vergleich

Das Team von Dr. Florian Heussen, Stadtspital Waid und Triemli in Zürich, hatte im Februar und März dieses Jahres die Gelegenheit, die 3D-Visualisierungssysteme Artevo 800 von Zeiss und Ngenuity von Alcon im klinischen Einsatz zu testen.

Gemeinsam ist beiden die Auflösung des Displays (3840 x 2160 Pixel). Das System Ngenuity, 2016 eingeführt, verwendet eine 3D-HDR Kamera, der Artevo 800 von 2019 bietet zwei 3-Chip-Kameras. Die Bilder erscheinen auf einem 3D-Bildschirm, ohne dass der Nutzer seinen Blick durch das OP-Mikroskop richten muss. Notwendig ist dafür eine Polfilterbrille, die zyklische Polarisation sorgt dafür, dass man auch bei geneigtem Kopf den 3D-Effekt nicht verliert.

Die Bildaufnahme findet digital statt, und die Bilder werden digital weiterverarbeitet, um Details besser erkennbar zu machen und per digitalem Zoom zu vergrössern. Mit dieser Bildverarbeitung geht eine Latenzzeit zwischen Aufnahme und Bilddarstellung einher. Sie beträgt beim Ngenuity 80 – 90 Millisekunden, beim Artevo 800 unter 50 ms.

Dank der digitalen Bildverarbeitung lässt sich die Endoillumination und damit die Lichttoxizität drastisch reduzieren: Bei 23G- bis 27G-Chirurgie kann die Beleuchtung auf 10 % des Wertes unter konventioneller Beleuchtung gesenkt werden.

Beide Geräte können zusätzliche Informationen auf dem 3D-Bildschirm anzeigen, beim Zeiss-Gerät zum Beispiel ein Live-Video der intraoperativen OCT.  Vor allem zum Ngenuity-System, welches schon länger auf dem Markt ist, liegen bereits zahlreiche Studien über den klinischen Einsatz vor.

Dr. Heussens Fazit: 3D-Systeme sind seit mehreren Jahren in Verwendung und haben sich im klinischen Einsatz und besonders auch für die Lehre bewährt. Die technische Qualität der genannten Systeme sei vergleichbar. Der ergonomische Zusatznutzen für Operierende ist dabei aber individuell sehr unterschiedlich; Sorgfalt beim Einrichten des Systems lohnt sich.