Augenuntersuchung als Fenster zum Körper - Siegfried Wagner

Augenuntersuchung als Fenster zum Körper

Die Künstliche Intelligenz bietet die Möglichkeit, Befunde an der Netzhaut mit Veränderungen in anderen Gefässgebieten zu korrelieren. Mit diesen Oculomics befasst sich Siegfried Wagner, Moorfields Hospital in London, weil sie eine grosse Chance für die Früherkennung bieten: Während im Alter ab 40 Jahren in England etwa 80 % der Bevölkerung einen Optometristen aufsuchen, nehmen nur 8 % die kostenlosen Gesundheitschecks ab 40 Jahren wahr. Augenärzte bzw. Optometristen könnten daher wichtige Weichen stellen, wenn ihnen die Zusammenhänge zwischen Augenbefunden und z. B. systemischen Kreislaufveränderungen oder degenerativen Gehirnveränderungen bekannt sind.

Eine Retinopathie geht mit einem vierfach erhöhten Risiko für einen Schlaganfall einher (nach Korrektur für Alter, Geschlecht und Ethnie). Bei Mikroaneurysmen im Auge und bei fleckförmigen retinalen Hämorrhagien ist das Risiko für einen Apoplex um das Fünffache erhöht, bei weichen Exsudaten um das 5.6-Fache. Retinopathie-Charakteristika können besser als bisherige Parameter das kardiovaskuläre Risiko bei Diabetes prognostizieren.

Noch vor ischämischen Herzkrankheiten und zerebrovaskulären Erkrankungen rangiert im Vereinigten Königreich die Diagnose Demenz und M. Alzheimer als Todesursache. Daher interessieren besonders auch die Zusammenhänge zwischen Alzheimer und retinalen Befunden. In der Biobank UK stehen Daten von 32 000 Personen mit OCT und kognitivem Test zur Verfügung, davon liegen für 1251 Nachbeobachtungsdaten vor. Ein Ergebnis daraus als Take Home Message: Das Dünnerwerden der retinalen Nervenfaserschicht erwies sich als ein möglicher Prädiktor für Demenz. Selbstlernende Algorithmen sollen künftig weitere Parameter herausarbeiten.