Prix Retina 2022

Für den Prix Retina 2022 konnte sich die Jury dieses Jahr zwischen zwei hervorragenden Arbeiten nicht entscheiden, sodass der Preis geteilt wurde. Die Preisträgerin Dr. Naïg Chenais (Lausanne und Paris) stellte einen neuen, vielversprechenden Ansatz für ein Retina-Implantat vor. Preisträger Markus Masek (Zürich) kam einer Antwort zur Frage näher, warum eine bestimmte Genmutation letzten Endes in eine Retinadegeneration mündet.

Der Prix Retina ist ein Preis der SVRG für publizierte Arbeiten junger Forschender in der Schweiz oder Schweizer Nationalität auf dem Gebiet der Augenheilkunde und benachbarter Wissenschaften. Das Preisgeld von CHF 15 000 kann dank dem Sponsor ­Novartis überreicht werden.
PhD-Student Markus Masek vom Institut für medizinische Genetik in Schlieren (Labor Prof. Ruxandra Bachmann- Gagescu) und Department of Molecular Life Sciences, University of Zurich (Prof. Stephan Neuhauss, der diesjährige Vogt-Preisträger), befasst sich mit Ziliopathien, worunter auch das Bardet-Biedl-Syndrom (BBS) zählt. Unter den Mutationen bei BBS ist am häufigsten das Genprodukt BBS1-Protein betroffen. Der Preisträger wies nach, dass der Ausfall des Gens die Entwicklung der Photorezeptoren nicht stört, dass aber das fehlende Protein Auswirkungen auf die Proteom- und auf die Lipidom-Stabilität (Zusammensetzung der Proteine und Lipide) im Photorezeptor hat. Zunächst akkumulieren Proteine, was sich wiederum auf Membranlipide auswirkt. Der Cholesteringehalt steigt an. 
Dieser Befund kann zur Antwort auf die Frage beitragen, warum die Genmutation eine Degeneration der Photorezeptoren bewirkt. Die Arbeit erschien im März 2022 in Nature Communications. 

Masek M, Etard C, Hofmann C, Hülsmeier AJ, Zang J, Takamiya M, Gesemann M, Neuhauss SCF, Hornemann T, Strähle U, Bachmann-Gagescu R. Loss of the Bardet-Biedl protein Bbs1 alters photoreceptor outer segment protein and lipid composition. Nat Commun. 2022 Mar 11;13(1):1282. 
 

Neurowissenschaftlerin Naïg Chenais, PhD, erarbeitete ihre Publikation am Laboratoire de Neuroengineering, Center for Neuroprosthetics (Institute of Bioengineering, School of Engineering) der École polytechnique fédérale de Lausanne, und ist jetzt Postdoctoral Fellow am Institut de la Vision in Paris. Ihre Arbeit könnte ein Problem der bisherigen künstlichen Retina-Implantate aus dem Weg räumen: Das neue, rollbare Implantat bedarf einer kleineren Inzision als bisherige Implantate, es enthält Photovoltaikzellen und braucht daher weder eine Stromquelle noch entsprechende Kabel. Die Auflösung von 10 000 Pixeln entspricht in etwa der Auflösung der peripheren Retina, das Gesichtsfeld ist mit 46° mindestens doppelt so gross wie das der bisher erhältlichen Implantate. 

Chenais NAL, Airaghi Leccardi MJI, Ghezzi D. Naturalistic spatiotemporal modulation of epiretinal stimulation increases the response persistence of retinal ganglion cell. J Neural Eng. 2021 Feb 22;18(1). doi: 10.1088/1741-2552/abcd6f. PMID: 33232947.