Prix Retina 2021

 

Der diesjährige Prix Retina (verliehen von der SVRG, Sponsor: Novartis) zeichnet eine Arbeit aus, die einen enormen Fortschritt in der Magnetresonanztomographie bedeutet: Mit der in Lausanne entwickelten Technik lässt sich auch das bewegte Auge darstellen, sogar unter dem geschlossenen Lid. 

Bei Augenuntersuchungen fällt es vielen Patienten schwer, lange genug mit dem Auge zu fixieren, um Bilder guter diagnostischer Qualität zu erhalten. Für kleine Kinder, Hochbetagte oder Personen mit eingeschränkter Sehfähigkeit gilt dies besonders. Die beiden Preisträger in der Kategorie «höchste klinische Relevanz», Dres. Benedetta Franceschiello & Lorenzo Di Sopra, gehören zu einem Team aus Neurowissenschaftlern, Informatikern, Mathematikern,  Ingenieuren und Optometristen am Institut für Radiologie der Universität Lausanne (CHUV), an der Universität Lausanne (UNIL), am Asile des Aveugles/Hôpital Jules-Gonin und des CIBM (Centre d’Imagerie Biomédicale) in Lausanne.

Diese Innovation erweitert die MRI-Anwendungen aus der Kardiologie auf die Gebiete Ophthalmologie und Neurowissenschaften. Die gemeinsame Expertise am CIBM, besonders der Sektionen CIBM IRM (MRI) und CIBM EEG an CHUV und UNIL ermöglichte dies.
Die neue Technik benötigt «nur» Standard-MRI-Geräte und eine Standard-Eye-Tracking-Hardware. Damit ist eine rasche Umsetzung im klinischen Alltag möglich, und zudem vereinfachte diese Tatsache auch die Validierung. Die Ergebnisse des MRI stimmten sehr gut überein mit biometrisch erhobenen Daten oder Daten, die per Eyetracking am rotierenden Auge erhoben wurden.

Die MRI-Untersuchung am bewegten Auge kann ganz neue Untersuchungsgänge eröffnen: Sie beantwortet nicht nur (wie ein statisches MRT) anatomische Fragen, sondern kann auch neurophysiologische und funktionelle Abläufe aufklären. Wie kann man da chirurgische Vorgehen planen und umsetzen? Wie funktioniert die Wahrnehmung? Welche Protokolle eignen sich am besten für eine funktionelle Rehabilitation? Die Antworten auf solche und viele weitere Fragen erscheinen nun möglich.

 

 

Die Publikation 3-Dimensional magnetic resonance imaging of the freely moving human eye (Neurobiol 2020) der beiden Forscher wurde auch mit dem Swiss OphthAward 2021 gewürdigt. Dieser Preis wird von der SOG vergeben (Sponsor: Bayer Schweiz AG).