Phyotherapie bei diabetischer Retinopathie: Was sagt Cochrane?

Anbieter „alternativer“ Therapien beklagen sich vielfach, die „Schulmedizin“ befasse sich nicht mit ihren Behandlungen und Wirkungsnachweise würden damit erschwert. Jetzt liegt immerhin ein Cochrane-Review zu Phytotherapien bei diabetischer Retinopathie vor.

Die Cochrane-Analyse nahm Studien unter die Lupe, welche die diabetische Retinopathie mit einem Einzelphytotherapeutikum, also nicht mit einer Kräutermischung, behandeln. Es fanden sich zehn Studien mit zusammen 754 Teilnehmern (neun Studien aus China, eine aus Polen). Alle Teilnehmer wurden bezüglich der Retinopathie und der Blutzuckereinstellung konventionell behandelt. In drei Studien erhielten die Probanden im Verum-Arm zusätzlich ein vasoprotektives Phyotherapeuticum, teils als Tablette, teils als Injektion. Die Injektionen enthielten Ginsengwurzelextrakt (Radix Notoginseng, San qi, Hauptwirkbestandteil Sanchinosid). Eine Maskierung wurde in keiner Studie vorgenommen.

Als Endpunkt des Cochrane-Reviews war die Progression der Retinopathie definiert worden, wobei keine der einbezogenen Studien über diesen Endpunkt berichtete. Die kombinierte Analyse der Interventionen deutete an, dass Patienten, welche die Therapie anwandten, 25% häufiger zwei oder mehr Zeilen hinzugewannen als Patienten mit alleiniger konventioneller Therapie. Für eine Senkung des HbA1c-Anteils gab es nur sehr geringe Evidenz. Immerhin in zwei Studien wurde über Nebenwirkungen berichtet wie Unwohlsein, Urtikaria, Schwindel und Kopfschmerzen. Insgesamt hielt die Evidenz den Cochrane-Kriterien nicht stand.  UNo

Zhang HW, et al. Single herbal medicine for diabetic retinopathy.Cochrane Database Syst Rev. 2018 Dec 19;12:CD007939.
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