Gentests bei Makuladystrophien: CYP2U1 sollte eingeschlossen werden

Eine internationale Arbeitsgruppe mit Beteilung des IRO (Sion) und der Universität Lausanne untersuchte den genetischen Hintergrund einer Makuladystrophie, welche als Erstmanifestation einer spastischen Paraplegie auftrat. Bei der autosomal-rezessiven Spastischen Paraplegie Typ 56 (SPG56) wurde ein spezifischer Phänotyp mit makulärer Teleangiektasie (MacTel) beobachtet. Neovaskuläre Komplikationen sind möglich. Die Whole exome-Sequenzierung identifizierte eine bekannte homozygote pathogenetische Variante im Gen CYP2U1 (c.1168C > T, p.Arg390*). CYP2U1 sollte in die Gentestung bei Makuladystrophie aufgenommen werden, besonders bei Auftreten von MacTel und (oder) neurologischen Manifestationen. Hier zu den Bildern.

El Matri K, Falfoul Y, Habibi I, Chebil A, Schorderet D, El Matri L. Macular Dystrophy with Bilateral Macular Telangiectasia Related to the CYP2U1 Pathogenic Variant Assessed with Multimodal Imaging Including OCT-Angiography. Genes (Basel). 2021 Nov 15;12(11):1795. 

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Progress in Retinal and Eye Research

Highlights aus Progress in Retinal and Eye Research

 

Das Journal "Progress in Retinal and Eye Research" (Impact Factor 21) listet jeweils die zehn in den letzten 90 Tagen am häufigsten heruntergeladenen Beiträge auf. Im Oktober 2021 ist dabei ein Paper mit Last-Author PD Dr. Peter Maloca, IOB Basel. Richard Spaide und Mitarbeiter berichten zur venous overload Chorioidopathie.
 

Spaide RF, Gemmy Cheung CM, Matsumoto H, Kishi S, Boon CJF, van Dijk EHC, Mauget-Faysse M, Behar-Cohen F, Hartnett ME, Sivaprasad S, Iida T, Brown DM, Chhablani J, Maloca PM. Venous overload choroidopathy: A hypothetical framework for central serous chorioretinopathy and allied disorders. Prog Retin Eye Res. 2021 May 21:100973. doi: 10.1016/j.preteyeres.2021.100973. Epub ahead of print. PMID: 34029721.

Ein hypothetischer Rahmen für CSC und das Spektrum verwandter Pathologien

Venous overload choroidopathy: A hypothetical framework for central serous chorioretinopathy and allied disorders - ScienceDirect

Die Highlights des Papers, wie auf der Website von Prog Ret Eye Res aufgeführt:

• Eine choroidale venöse Überfüllung führt zu Remodeling und venösen Anastomosen zwischen den Vortexvenen.

• Die venöse Überfüllung könnte sekundär als Folge von Okklusionen oder arteriovenösen Fisteln auftreten

• Die CSC (Central serous chorioretinopathy) geht nicht mit extraokulärer Obstruktion einher, zeigt aber ähnliche Befunde. 

• Abnormalitäten umfassen venöse Anastomosen und eine Hyperpermeabilität der Choriocapillaris. 

• Die CSD ist ein pathophysiologisches Modell für verwandte Krankheiten. 

 
Interessant und an erster Stelle dieser Liste findet sich ein Beitrag on Noel Brennan zur Wirksamkeit der Myopieprogression

Myopie-Progressionshemmung

• Die Wirksamkeit von Behandlungen zur Kontrolle der Myopieprogression sollten als absoluter und nicht als prozentualer Effekt dargestellt werden.

• Die Wirksamkeit der Therapien ist tendenziell unabhängig vom Alter, der Progressionsrate und dem initialen refraktiven Fehler, aber nicht von der Zeitdauer.

• Die Wirksamkeit der progressionshemmenden Massnahmen ist weniger gut als bislang vermutet. 

• Die bisherige Progression ist kein guter Indikator für die künftige Progression; alle myopen Kinder unter und bis 12 Jahre sollten energisch ("aggressively") behandelt werden. 

• Die Messung der Achsenlänge ist das bevorzugte Mass, um die Myopieprogression zu monitorisieren. 

Brennan NA, Toubouti YM, Cheng X, Bullimore MA. Efficacy in myopia control. Prog Retin Eye Res. 2021 Jul;83:100923. doi: 10.1016/j.preteyeres.2020.100923. 

Ophthalmo-pathologische Befunde bei letaler COVID-19-Erkrankung

Ein Team der Basler Universitäts-Augenklinik publizierte ophthalmopathologische Befunde bei tödlich verlaufenden COVID-19-Erkrankungen und belegt, dass sich die systemischen Veränderungen auch am Auge manifestieren. So zeigen sich auch hier unter anderem Hyperkoagulation und Vaskulopathie. Als Full Text verfügbar. 

Ocular Pathology and Occasionally Detectable Intraocular Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus-2 RNA in Five Fatal Coronavirus Disease-19 Cases.

Reinhold A, Tzankov A, Matter MS, Mihic-Probst D, Scholl HPN, Meyer P. Ophthalmic Res. 2021;64(5):785-792. doi: 10.1159/000514573. Epub 2021 Jan 20.

PMID: 33472206

fulltext link

 


 

Mechanismen der sterilen Entzündung bei intravitrealen Medikamenten

Drei prinzipielle Ursachen unterscheidet ein beschreibender Review für anti-angiogenetische Medikamente: 

  • Patientenspezifisch
  • Medikamentenspezifisch
  • Anwendungsspezifisch

Generell unterscheidbar sind die sterile Entzündung mit akutem Beginn und die verzögerte Reaktion als entzündliche Vaskulitis. Die akute Form tritt als subklinische Entzündung in der Vorderkammer auf oder als sterile Uveitis/Endophthalmitis. Anderson et al. beschreiben eine subklinische Vorderkammerentzündung in bis zu 19% nach intravitrealer Injektion von VEGF-Hemmern. Die sterile Uveitis/Endophthalmitis ist mit 0.05% bis 4.4% seltener, wobei der Prozentsatz je nach Substanz variiert. Anwendungsspezifische Entzündungen sind die mit Silikonöl assoziierten Inflammationen. Der sorgfältige Umgang mit der Spritze (kein Schütteln, keine mechanische Alteration, sorgfältige Lagerung etc.) ist hierbei wichtig.  

Anderson WJ, da Cruz NFS, Lima LH, Emerson GG, Rodrigues EB, Melo GB. Mechanisms of sterile inflammation after intravitreal injection of antiangiogenic drugs: a narrative review. Int J Retina Vitreous. 2021 May 7;7(1):37. 

M. chimaera-Infektion: Multimodale Bildgebung und ophthalmologische Expertise kritisch für den Langzeitverlauf

Das Bakterium Mycobacterium chimaera kann im Rahmen umfangreicher kardiothorakaler Eingriffe zur disseminierten Infektion führen. Diese kann sich auf an Retina und Choroidea manifestieren.
Die multimodale Bildgebung eignet sich für das Monitoring des Langzeitverlaufs solcher Infektionen. Dies zeigten PD Dr. Sandrine Zweifel und Ko-Autoren aus Zürich, Basel und Polen in einer Publikation, die aktuell im Journal of Clinical Medicine erschienen ist. Sie berichtet über 12 Patienten mit einer durchschnittlichen Nachbeobachtungsdauer von knapp 24 MOnaten.

Das Fazit der Autoren: Ophthalmologische Expertise ist nicht nur relevant, sondern sogar kritisch für die Beurteilung der antimykobakteriellen Therapie im Langzeitverlauf. Das therapeutische Ansprechen kann im Verlauf beobachtet, Rückfälle können mithilfe der multimodalen Bildgebung aufgespürt werden.  

Zweifel SA, Wiest MRJ, Toro MD; Hasler P; Maloca P; Hasse B; Khanna N; Rejdak R. Long-Term Clinical and Multimodal Imaging Findings in Patients with Disseminated Mycobacterium Chimaera Infection. J. Clin. Med. 202110, 4178. Free Full Text 
Bild: Creative Commons License aus der genannten Publikation

Warum kommen Patienten nicht mehr zur IVI-Behandlung?

Der andauernde Erfolg der intravitrealen Injektionsbehandlung (IVI) hängt von der Adhärenz der Patienten ab. Warum steigen Patienten trotzdem aus der Behandlung aus? Eine Publikation erfasste mögliche Hemmschwellen der Patienten miteinem Fragebogen. Bei dessen Beantworung durch 253 IVI-Patienten kristallisierten sich sechs Gruppen von Patienten heraus. Es könnte sich lohnen, Patienten entsprechend zu befragen.
Eingeschlossen waren Patienten mit nAMD (n=156 und mit Diabetischem Makulaödem (n=78). Diese Beweggründe hielten sie ab, die Therapie weiter zu führen:

  1. Terminschwierigkeiten (zu hohe Belastung des Patienten oder zu hohe Beanspruchung von Begleitpersonen) (45%, um 50% bei längerfristig Behandelten, 30% bei neu Behandelten))
  2. Depressive Verstimmung, Perspektivlosigkeit, Gefühl, andere zu belasten (29%)
  3. Zweifel an der Notwendigkeit der Therapie  (33% bei Erstbehandelten, 10% bei längerfristig Behandelten)
  4. Kosten (Behandlung, Diagnostik, Anreise) (27%)
  5. Zusammentreffen einer Vielzahl von Faktoren (Komorbiditäten, Angewiesensein auf Begleitperson/Reisekosten)
  6. Keine unmittelbar nachvollziehbaren Barrieren (20%)

Etwa 80% der Befragten liessen mindestens eine der Hemmschwellen erkennen. , bei mehr als jedem Dritten lagen mindestens drei dieser Hemmnisse vor, relativ gleichförmig über beide Indikationen, Geschlecht und Alter. 

Müller S, Junker S, Wilke T, Lommatzsch A, Schuster AK, Kaymak H, Ehlken C, Ziemssen F. Questionnaire for the assessment of adherence barriers of intravitreal therapy: the ABQ-IVT. Int J Retina Vitreous. 2021 Jun 2;7(1):43. doi: 10.1186/s40942-021-00311-x.  
Hier zum Full Text

 

Optic Disc Drusen: Ein spannender Fall

Dr. med. Simon Rothenbühler, Oberarzt an der Augenklinik des Universitätsspitals Basel, berichtet in Acta Ophthalmologica einen interessanten Fall einer 27-jährigen Patientin mit unklarer Visusverminderung.

Dr. Rothenbühler berichtet dazu:

"Unsere Publikation zeigt die Aufarbeitung des Falls mittels modernem multimodalem Imaging. Die Ursache ist ein makulärer Venenastverschluss, mutmasslich ausgelöst durch verstecke Drusen im Sehnervenkopf.
Mittels Fluoreszein-Angiographie, OCT und OCTA liessen sich die Stelle des venösen Verschlusses, das begleitende Makulaödem, die Bildung von venösen Gefässkollateralen und die versteckten Drusen in der Tiefe des Sehnervenkopfs zeigen.

In der 3D-Rekonstruktion der OCT-Daten wurde die Lage und Grösse des Drusenkörpers sowie seine engste Nachbarschaft zu den Gefässen erst richtig sichtbar. Im ergänzenden Video zur Publikation sind die Befunde bewegt dargestellt und erklärt.

Es sind Fälle wie diese, welche jeden Freitagmorgen am grössten Spital der Hauptstadtregion Kopenhagen vorgestellt und in der Runde der Retinologen - per Videokonferenz von verschiedenen Standorten zugeschaltet -   diskutiert werden.

Wichtig ist die Erkenntnis für mich: Zur gründlichen Untersuchung des Sehnervenkopfs sollte neben der peripapillären Nervenfaserschicht immer auch ein hochauflösender OCT-Volumenscan mit Enhanced Depth Imaging aufgenommen werden. Relevante Befunde wie die tiefliegenden Papillendrusen können so gut diagnostiziert werden und dadurch kann je nach Fall invasive und kostspielige weitere Diagnostik vermieden werden."

 

Rothenbuehler SP, Maloca PM, Belmouhand M, Hamann S, Larsen M. Branch retinal vein occlusion precipitated by compression between a major retinal artery and underlying optic disc drusen. Acta Ophthalmol. 2021 Apr 20. doi: 10.1111/aos.14840. Epub ahead of print. PMID: 33880859.
Full Text beim Autor

 

iRORA, cRORA: Neue Klassifikation

In etlichen Schweizer Fortbildungen des Jahres 2021 erläuterten die Experten, was sich hinter der neuen Nomenklatur iRORA und cRORA verbirgt.

Sie geht auf eine internationale Konsens-Klassifikation zurück. Die reproduzierbare Anwendung dieser Klassifikation, getroffen auf Basis OCT-definierter anatomischer Charakteristika, ist essenziell,

  • um ein hohes Risiko für eine Progression frühzeitig zu erkennen und
  • um den natürlichen Verlauf der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) zu verstehen,
  • um Interventionsmöglichkeiten zu erforschen. 

Das Konsenspapier ist hier in Vollversion verfügbar. 

  • iRORA: incomplete retinal pigment epithelium (RPE) and outer retinal atrophy (iRORA)
  • cRORA: complete RPE and outer retinal atrophy (cRORA) in age-related macular degeneration (AMD). 
Guymer RH, Rosenfeld PJ, Curcio CA, Holz FG, Staurenghi G, Freund KB, Schmitz-Valckenberg S, Sparrow J, Spaide RF, Tufail A, Chakravarthy U, Jaffe GJ, Csaky K, Sarraf D, Monés JM, Tadayoni R, Grunwald J, Bottoni F, Liakopoulos S, Pauleikhoff D, Pagliarini S, Chew EY, Viola F, Fleckenstein M, Blodi BA, Lim TH, Chong V, Lutty J, Bird AC, Sadda SR. Incomplete Retinal Pigment Epithelial and Outer Retinal Atrophy in Age-Related Macular Degeneration: Classification of Atrophy Meeting Report 4. Ophthalmology. 2020 Mar;127(3):394-409. doi: 10.1016/j.ophtha.2019.09.035. Epub 2019 Sep 30. PMID: 31708275; PMCID: PMC7218279.

Hier ein Beispiel für eine Progression von iRORA zu cRORA über 48 Monate im Bild

Neuerscheinung (geplant)

Spaide, Pathologic Myopia: Springer 2021

Die 2. Auflage von Richard Spaides Buch zur pathologischen Myopie ist bereits vorbestellbar (Springer, z.B. über die Fachbuchhandlung www.lehmanns.ch)
Der Verlag schreibt:

Pathologic Myopia is a major cause of severe vision loss worldwide. The mechanisms for vision loss include cataract, glaucoma, retinal detachment, and above all, myopic maculopathy within the posterior staphyloma. The first edition of Pathologic Myopia is one of the only current books to specifically address this disease and discusses recent developments in imaging technologies and various approaches to treatments, such as laser photocoagulation, photodynamic therapy, pharmaco-therapeutic injections in the vitreous, and surgery. 

This new edition is a timely update to the standard reference in the field, with new chapters on advanced refractive error correction, genetics, developing a classification system, and special surgical approaches for pathologic myopia. Complete with even more high-quality color images and informative tables, this book is written and edited by leaders in the field and is geared towards ophthalmologists, including residents and fellows in training, glaucoma and cataract specialists, and vitreoretinal macula experts.

 

480 Seiten

2021 | 2nd ed. 2021
Springer International Publishing (Verlag)
978-3-030-74333-8 (ISBN)

Switch auf Brolucizumab: Die SHIFT-Studie

Kurzfristige Ergebnisse

Die Arbeitsgruppe von Prof. Frank Holz, Universitätsaugenklinik DE-Bonn, publizierte im British Journal of Ophthalmology "Real-World"-Ergebnisse beim Wechsel auf Brolucizumab. Die Single-Center-Studie schloss 63 Augen von 57 Patienten mit feuchter AMD ein, die nicht ausreichend auf andere VEGF-Hemmer (BEV, RAN, AFL) angesprochen hatten. Im Mittel hatten die Patienten in den vergangenen vier Jahren 32 anti-VEGF-Injektionen erhalten (Maximum: 126 Injektionen). SHIFT berichtet die Kurzzeitergebnisse über durchschnittlich 16 Wochen mit Brolucizumab im Treat&Extend-Schema. 

Der Visus verbesserte sich im Trend (−0.02±0.13 logMAR nach 4 Wochen). Siginifikanz erreichten früh die Änderungen der morphologischen Parameter Makulavolumen, FCP (foveal centre point) und CSRT (central subfield retinal thickness). 

Eine intraokuläre Entzündung trat bei 7 Augen / 7 Patienten (11.1% der Augen) auf. In einem Fall wurde eine retinale Vaskulitis beobachtet, jedoch ohne Okklusion. In der Studie wird ausführlicher auf diese unerwünschten Wirkungen eingegangen (Zeitpunkt des Auftretens, im Mittel 19 Tage nach Erstinjektion), deren Behandlung (topische und intravitreale Entzündungshemmung mit Steroiden) und klinische Konsequenzen (kein funktioneller Verlust). Die Studie ist im Open Access publiziert.

Bulirsch LM, Saßmannshausen M, Nadal J, Liegl R, Thiele S, Holz FG. Short-term real-world outcomes following intravitreal brolucizumab for neovascular AMD: SHIFT study. Br J Ophthalmol. 2021 Apr 12:bjophthalmol-2020-318672. 

Aktuelle Literatur Retina

Einige Open Access erhältliche aktuelle Publikationen erscheinen interessant:

Visual Outcome after Intravitreal Anti-VEGF Therapy for Macular Neovascularisation Secondary to Sorsby's Fundus Dystrophy: A Systematic Review. 
Baston A, Gerhardt C, Zandi S, Garweg JG. J Clin Med. 2021 May 30;10(11):2433. doi: 10.3390/jcm10112433. PMID: 34070857 Review.

Polypoidal Choroidal Vasculopathy after Stereotactic Radiotherapy for Neovascular Age-Related Macular Degeneration: A Case Report with Long-Term Follow-Up.
Steinemann A, Hoffmann L, Hatz KB. Case Rep Ophthalmol. 2021 Apr 30;12(1):299-305. doi: 10.1159/000514241. eCollection 2021 Jan-Apr. PMID: 34054474 Free PMC article.

Retinal findings in patients with COVID-19 beschreibt die Retinabefunde von 12 Patienten mit COVID-19, darunter 9 Ärzte und 2 weitere Mitarbeitende im Gesundheitswesen. Hier zu den Befunden (mit Bildern).

Marinho P, et al. Lancet. 2020 May 23;395(10237):1610.

COVID-19: Limiting the Risks for Eye Care Professionals entstand unter internationaler Mitwirkung; aus Europa sind Prof. Marc de Smet, Lausanne, und Prof. Manfred Zierhut, Tübingen, beteiligt. Die Empfehlungen sind Open Access hier erhätlich. Wir liefern hier keine Kurzfassung - im Prinzip sind die Massnahmen allen Augenärzten inzwischen bekannt und falls nicht, lohnt sich die eingehende Lektüre in der Vollfassung.

Sadhu S, et al. Ocular Immunol Inflamm 2020;28: pp. 714-720.

Susac Syndrom unterschätzt? Zwei aktuelle Arbeiten, darunter eine aus Lausanne (Prof. C. Herbort), stellen den aktuellen Wissensstand zusammen; das Syndrom ist recht selten und wird dann häufig als Ursache multipler rekurrierender retinaler Arterienastverschlüsse nicht erkannt.

Sauma J, Rivera D, Wu A, Donate-Lopez J, Gallego-Pinazo R, Chilov M, Wu M, Wu L. Susac's syndrome: an update. Br J Ophthalmol. 2020 Sep;104(9):1190-1195.
Papasavvas I, Teuchner B, Herbort CP Jr. Susac syndrome (Retino-cochleo-cerebral vasculitis), the ophthalmologist in the role of the whistleblower. J Ophthalmic Inflamm Infect. 2020 Oct 30;10(1):27. Open access


Daylight Awareness Week. Prof. Anna Wirz-Justice vom Zentrum für Chronobiologie in Basel veröffentlichte im Oktober im Rahmen der Daylight Awareness Week eine Arbeit zur Relevanz des Tageslichts für den Menschen. Nicht nur Winter, sondern auch noch Lockdown: Da erscheint es angebracht, sich auch für sich persönlich etwas mit dem Thema "Tageslicht" zu befassen. Wirz-Justice bemängelt die grosse Kluft zwischen der Anerkennung des Tageslichts als Gesundheitsfaktor und dem spärlichen wissenschaftlichen Fundus dazu. Derzeit ist noch nicht klar, ob Kunstlicht Ähnliches für die Gesundheit erreicht wie normales Tageslicht. 

Wirz-Justice A, Skene DJ, Münch M. The relevance of daylight for humans. Biochem Pharmacol. 2020 Oct 28:114304. doi: 10.1016/j.bcp.2020.114304. Epub ahead of print. PMID: 33129807. Open Access

Ist ein Gewichtsverlust gefährlich für das Pigmentepithel? Zwei konkrete Fälle nehmen die drei Westschweizer Autorinnen zum Anlass für eine systematische Review zur Beobachtung, dass im Zusammenhang mit einem grösseren Gewichtsverlust multiple seröse Pigmentepithelabhebungen stattfanden. Die beiden Frauen mittleren Alters hatten mithilfe einer proteinreichen Diät, in einem Fall auch mit Magenband-Operation 20 kg in 3 Monaten bzw. 35 kg in <1 Jahr abgenommen. Der Mechanismus ist noch unklar. 

Kheir V, Ambresin A, Mantel I. Multiple serous pigment epithelial detachments in association with major weight loss: case report and review of the literature.. Retin Cases Brief Rep. 2020 Winter;14(1):72-76.

zu den aktuellen Kurz-News

 

Schweizer Erfahrung mit Treat-and-Extend bei wetAMD. Intravitreal appliziertes Aflibercept erreichte in dieser Studie aus verschiedenen Schweizer Institutionen mit Treat-and-Extend vergleichbar gute Ergebnisse wie in den prospektiven Zulassungsstudien.

Ebneter A, Michels S, Pruente C, Imesch P, Eilenberger F, Oesch S, Thomet-Hunziker IP, Hatz K. Two-year outcomes of intravitreal aflibercept in a Swiss routine treat and extend regimen for patients with neovascular age-related macular degeneration. Sci Rep. 2020 Nov 20;10(1):20256

Zürcher Injektionsrobotik: Ein neues Konzept für die roboterunterstützte subretinale Injektion schlägt eine Arbeitsgruppe von der ETH Zürich und dem Triemli-Spital vor. Sie testete ihr Verfahren mit magnetischer Navigation einer flexiblen Injektionskanüle erfolgreich an Schweineaugen.  

Charreyron SL, Boehler Q, Danun A, Mesot A, Becker M, Nelson BJ. A Magnetically Navigated Microcannula for Subretinal Injections. IEEE Trans Biomed Eng. 2020 May 20;PP. doi: 10.1109/TBME.2020.2996013. Hier zum full text.

Retinale Veränderungen bei M. Parkinson: Drei aktuelle Arbeiten, alle aus China, befassen sich mit der retinalen Bildgebung bei Morbus Parkinson. Entsprechend den drei systematischen Reviews und Meta-Analysen (zu zentralen Retinaveränderungen, zum spezifischen Muster der retinalen Nervenfaserschicht und zu OCT-Befunden allgemein) ziehen die Autoren den Schluss, dass robuste Korrelationen zwischen retinalen OCT-Befunden und Parkinson bestehen. 

Huang L, Zhang D, Ji J, Wang Y, Zhang R. Central retina changes in Parkinson's disease: a systematic review and meta-analysis. Jss Neurol. 2020 Nov 10.
Huang L, Wang C, Wang W, Wang Y, Zhang R. The specific pattern of retinal nerve fiber layer thinning in Parkinson's disease: a systematic review and meta-analysis. J Neurol. 2020 Jul 20. doi: 10.1007/s00415-020-10094-0. Epub ahead of print.
Zhou WC, Tao JX, Li J. Optical Coherence Tomography Measurements as Potential Imaging Biomarkers for Parkinson's Disease: A Systematic Review and Meta-analysis. Eur J Neurol. 2020 Oct 26. doi: 10.1111/ene.14613. Epub ahead of print. PMID: 33107159.