Stellungnahme der SVRG zur anti-VEGF-Behandlung unter der COVID-19-Pandemie

Stand 19. März 2020

Am 16. März 2020 hat der Schweizerische Bundesrat die COVID-19-Verordnung 2 erlassen. In Artikel 10a legt diese fest, dass auf nicht dringend angezeigte medizinische Behandlungen verzichtet werden muss.

Aus Sicht des Vorstandes der SVRG handelt es sich bei den meisten Behandlungen mit anti-VEGF, insbesondere bei altersabhängiger Makuladegeneration, um dringliche Behandlungen, da eine verzögert oder nicht durchgeführte Behandlung zu bleibendem Sehverlust führen kann. Die Behandlung soll deshalb weiter geführt werden.

Um das Risiko einer COVID-19 Ansteckung bei diesen meist zur Riskogruppe zählenden Patienten zu minimieren, empfiehlt der Vorstand der SVRG folgende Massnahmen:

  • Keine diagnostischen Massnahmen (OCT, Fundusuntersuchung, Visusbestimmung etc.) bei bereits etablierten Therapien und subjektiv gutem Verlauf
     
  • Weiterführen der Injektionen unter Einfrieren auf dem letzten Behandlungsintervall bei Patienten im Treat and Extend Protokoll
     
  • Weiterführen der Injektionen bei Patienten im pro re nata im kürzesten Intervall der letzten 6 Monate
     
  • Bei neuem Verdacht auf CNV, durchführen der üblichen Diagnostik. Fluoreszenzangiographie nur, wenn die Diagnose im OCT unklar ist.
     
  • Um die Kontaktzeit in der medizinischen Einrichtung zu minimieren, sollen Termine nicht mehr vor Ort, sondern telefonisch vergeben werden.
     
  • Auf die Einhaltung der bundesrätlichen Empfehlungen zum "Social Distancing" ist strikt zu achten. Insbesondere sind die Wartezeiten zu minimieren und die Wartezimmer so zu gestalten, dass die empfohlenen Abstände nicht unterschritten werden können. Begleitpersonen müssen ausserhalb der medizinischen Einrichtung warten.
     
  • Einsatz telemedizinischer Möglichkeiten wie Telefonkonsultationen zur Zwischenanamnese. Es ist besonders wichtig, die Patienten in dieser Zeit der erzwungenen Selbstisolation nicht mit ihrer Krankheit und den damit verbundenen Ängsten alleine zu lassen.
     
  • Einsatz von Selbst-Monitoring wie Amsler-Gitter, Alleye-Test etc.

Der Vorstand der SVRG ist der Meinung, dass die oben vorgeschlagenen Massnahmen dazu beitragen, bei dieser vulnerablen Patientengruppe das sehr gute Nutzen-Risiko-Verhältnis bei der anti-VEGF-Therapie auch unter der COVID-19-Pandemie zu erhalten.

Der Vorstand der Swiss VitreoRetinal Group
 


 

Informationen zu Beovu®

Stellungnahme der SVRG


 

Swiss Retina Update

Verschoben

Das Swiss Retina Update findet wegen der aktuellen Situation (Covid-19) nicht Ende März statt,
sondern am 29. Oktober 2020. Ebenfalls im Swissotel Zürich Oerlikon, mit voraussichtlich gleichem Programm.

Details folgen zeitnah.

13.03.2020


 

SAVE THE DATE!

Swiss Retina Update 2020

Bitte beachten Sie die aktuellen Ankündigungen. Die Kongressveranstalter folgen den Massgaben des BAG zur Durchführung von Veranstaltungen.  

Die Veranstaltung ist vom 26. März auf den 29. Oktober 2020 verschoben. Wir informieren an dieser Stelle, sobald mehr zum Programm bekannt ist. 

13.03.2020


Beovu® jetzt mit Swissmedic-Zulassung

Brolucizumab für wetAMD zugelassen

22.01.2020 Red. Ab sofort ist Brolucizumab (Beovu®, Novartis Schweiz) in der Schweiz zur Therapie der feuchten AMD Swissmedic-zugelassen. 

Der Wirkstoff wird zunächst dreimal im Vierwochen-Abstand injiziert, danach wie in den Zulassungsstudien dreimonatlich. Nach ärztlichem Ermessen kann auch ein Achtwochenabstand gewählt oder das Injektionsintervall individuell an die Befunde (anatomisch, funktionell) angepasst werden. Zur Verfügung stehen eine Durchstechflasche und eine Fertigspritze (beide für Einmaldosen).

Die Schweiz ist europaweit das erste Land mit Zulassung von Beovu®. VEGF-A-Isoformen werden hochaffin durch den Wirkstoff gebunden. Bei gleichem Volumen werden damit wesentlich mehr VEGF-Moleküle inhibiert. Details, auch zur Verträglichkeit, Wirksamkeit und den Zulassungsstudien, finden sich auf der  Swissmedic-Webseite.


Aktuell in der Schweiz rekrutierende Retina-Studien

03.02.2020

Details zu aktuell in der Schweiz rekrutierenden Studien zu wAMD, geographischer Atrophie, Makulaödemen verschiedener Genese, diabetischer Retinopathie oder chirurgischen Retinathemen finden Sie hier.


Aktuelle Literatur

Einige Studien herausgepickt

  • Zwei verschiedene Pathomechanismen in der Bildung von Makulalöchern - Gass Stadium 1 - durch OCT differenzierbar (Bentaleb Machkour, Garweg JG, et al. Eur J Ophthalmol 2020 Feb 11)
  • Bromphenol-Blau. Wie viele Sicherheitsdaten gibt es? (Gerding H, Klin Mbl Augenheilkd 2020, Feb. 4)
  • Neue Konsensus-Guidelines zur Endophthalmitisprophylaxe (Patel, Surv Ophthalmol. 2020 Jan 7) (alle vier Autoren arbeiten in den USA)
  • Visusprognose nach Amotio-Chirurgie: Adaptive Optics beantworten Fragen (Potic Retina 2020 Feb;40(2):376-386)
  • ARGUS-II-Retina-Implantat: Erfahrungen zur Sicherheit bei inzwischen knapp 300 Patienten (Rizzo, Retina. 2020 Feb;40(2):303-311) (es gibt bereits eine deutliche Lernkurve)
  • Wirtschaftlicher Nutzen der anti-VEGF-Therapie bei wetAMD-Patienten in den USA nachgewiesen (Mulligan, JAMA Ophthalmol. 2019 Nov 14. doi: 10.1001/jamaophthalmol.2019.4557) (und, so das Fazit der Autoren, mit künftigen innovativen Methoden sogar hochwahrscheinlich noch grösser)
  • Interessanter Fall: Retinaler Arterienastverschluss als Erstsymptom für eine akute Retinanekrose (Agarwal M, J Ophthalmic Inflamm Infect. 2020 Feb 12;10(1):8.
  • Akute retinale Änderungen und Retinadegeneration durch Methamphetamin ("Crystal Meth") (Lee, Exp Eye Res. 2020, Feb. 7)
  • Antioxidans Kurkumin: Echte therapeutische Effekte auf die Retina? (Antioxidants 2020, 9(1), 48). Oder doch eher PAINS und IMP? (PAINS: pan assay interference compounds; IMP: invalid metabolic panacea - ungültiges metabolisches Wundermittel)
     

News Swiss Retina Update 2019

Netzhautchirurgie per Roboter

Dass das Swiss Retina Update sei-nem Titel «Update» sehr gerecht wird, zeigte sich in diesem Jahr besonders deutlich, weil es wenige Tage vor dem EURETINA stattfand. Die Vorträge zum Thema «Netzhautchirurgie» am Schweizer Reti-nologen-Meeting boten genau die «Hot Topics», die auch am EURETINA als wichtigste Themen gehandelt wurden: Chirurgie der myopen Makulaveränderungen, Roboter-assistierte vitreoretinale Chirurgie (mit interessanten Schweizer Entwicklungen) und der ILM-Flap zur Therapie von Makula-Foramina. Hier mehr zu den Robotics (nach Log-in).

 

Update Gentherapie bei erblichen Retina-Erkrankungen

Die Zulassung von Luxturna® (INN-Name: Voretigene Neparvovec; Novartis) und die neuen Gentherapien in der Pipeline bildeten den spannenden Einstieg ins diesjährige Swiss Retina Update. Prof. Hendrik Scholl, Universität Basel und Institute of Molecular and Clinical Ophthalmology Basel (IOB), berichtete aus erster Hand, vor allem auch über die Gentherapie-Fortschritte, die das IOB vorweisen kann. Mehr nach Log-in

 

DME Monitoring - Empfehlungen in Bewegung

Seit diesem Jahr steht für die verbesserte Begleitung von Diabetikern ein Tool zur Verfügung, das dazu beitragen soll, die Kommunikation zwischen Diabetologen, Allgemein-Internisten und auch Patienten zu verbessern (siehe Beitrag in ophta 5/2019). Denn diese wiederum ist eine Voraussetzung für eine gute Betreuung, die frühzeitiges Reagieren auf retinale Verschlechterungen möglich macht. Prof. Heinrich Gerding, Chief Medical Officer der Pallas-Klinik Olten, referierte am Swiss Retina Update die neuste Evidenz zum Monitoring von Diabetes-Patienten und gab Empfehlungen. Lesen Sie weiter nach Log-in.


Ernährungsprofil wichtiger als Einzelnährstoffe

Rauchen halbiert anti-­VEGF-Effekt

Über die grosse internationale Datenbank zur neovaskulären AMD, an welche auch das UniversitätsSpital Zürich Informationen liefert, wurde in ophta schon vielfach berichtet. Nun erschien eine Arbeit mit knapp 1000 Patienten zur Frage, ob der Raucher-Status die Visusergebnisse einer anti-VEGF-Behandlung bei neovaskulärer AMD beeinflusst. Dies ist signifikant der Fall. [weiterlesen]

Nutritional Threats

Kann es erfolgreich sein, Patienten ihre lieben, aber schädlichen Ernährungsgewohnheiten madig zu machen? Darf man über „Nutritional Threats“ sprechen? Ja, fand Cécile Delcourt, PhD, Forschungsdirektorin am Bordeaux Population Health Research Center. Sie nannte in ihrem EURETINA-Vortrag „Nutritional Threats and Benefits for the Retina“ aber vor allem auch die Benefits. Nur fokussierte sie hier nicht auf einzelne „Super Foods“ oder Einzelnährstoffe. [weiterlesen]

DME-Management mit anti-VEGF und Steroiden

Prof. Sobha Sivaprasad, Moorfields Hospital in London, gab einen knappen Überblick über die Optionen bei diabetischem Makulaödem (DME) und proliferativer diabetischer Retinopathie (PDR). [weiterlesen]

29.10.2019


 

Prix Retina und RetinAward 2019 in Interlaken vergeben

Tatiana Fountoukidou, PhD-Studentin an der Universität Bern und dem ARTORG Center for Biomedical Engineering Research/ Ophthalmic Technology erhielt den Prix Retina 2019 der SVRG (Sponsor: Novartis). [mehr]

Pract. Med. Livia Faes, Assistenzärztin an der Augenklinik des Luzerner Kantonsspitals, wurde mit dem RetinAward für ein Projekt zur Künstlichen Intelligenz in der Retina-Diagnostik ausgezeichnet. Dieser SVRG-Preis wird von Bayer (Schweiz) AG unterstützt. [mehr]

First-line Behandlungsalgorithmus bei zentrumsinvolvierendem diabetischem Makulaödem

Neue Guidelines zur Ersttherapie bei diabetischem Makulaödem
Nach Login zum Text ( https://www.svrg.info/login-extern/ )


 

Video: Innovative OP-Technik

Auf der Website der AAO stellt Prof. Dr. Carsten Meyer, Aarau, in einem Video eine neue Technik für den Verschluss eines Makulaloches mit subretinaler Flüssigkeit vor.


Exit-Strategie bei nAMD vielfach erfolgreich

Jeder Achte kann die anti-VEGF-Behandlung unter Treat and Extend beenden

An der Universitäts-Augenklinik in Bern wurde eine Exit-Strategie bei Treat-and-Extend-Regime (TER) mit anti-VEGF-Injektionen wegen neovaskulärer altersbedingter Makuladegeneration (nAMD) definiert. Eine aktuelle Studie überprüft, wie häufig diese Behandlung sicher beendet werden kann. 

Die Strategie:

  • Treat and Extend, je nach Befund entweder Intervallextension um 2 Wochen oder Verkürzung um 1 Woche
  • Exit-Kriterium: 3 konsekutive Injektionen im Abstand von 16 Wochen mit stabilen Befunden. 
  • Anschliessend wird die anti-VEGF-Behandlung ausgesetzt, mit therapiefreier Nachbeobachtung mit drei bis vier monatlichen Kontrollen.

Die retrospektive Berner Studie schloss 598 Augen von 488 Patienten mit neovaskulärer altersbedinger Makuladegeneration ein; sie erhielten antiVEGF-Injektionen im Treat-and-Extend-Regime. Erfasst wurden der bestkorrigierte Visus, die zentrale Retinadicke zu Behandlungsbeginn und -ende, Häufigkeit eines Wiederauftretens nach Behandlungsaussetzung, Charakteristika im OCT, Behandlungsdauer, Injektionszahl und -Intervalle.  

Die Exitkriterien erreichten 17% der Augen nach durchschnittlich 23.7 ± 14.7 Injektionen über 4.5 ± 2.5 Jahre. Ein Wiederauftreten wurde im Mittel nach 37  ± 16 Wochen in 13% gesehen. Bei Pigmentepithelabhebung, vor allem seröser Art, zum Zeitpunkt des Behandlungsendes war ein Rückfall signifikant häufiger als ohne diese Besonderheit (77% vs. 30%, P = 0.0018). 

Arendt P, Yu S, Munk M, Ebneter A, Wolf S, Zinkernagel MS. Exit strategy in a treat-and-extend regimen for exudative age-related macular degeneration. Retina. 2019 Jan; 39(1): 27–33.
 

Interessante Perspektive: Transferrin bei Amotio

Photorezeptorschaden durch Eisen aus Hämoglobin, Neuroprotektion durch Transferrin

Bei Netzhautablösung kommt es zum Tode von Photorezeptoren und zum permanenten Visusverlust, wenn sich die neurosensorische Retina durch Einstrom von subretinaler Flüssigkeit vom retinalen Pigmentepithel abhebt. Das chirurgische Wiederanlegen ist nicht prädiktiv für eine Visuserholung.

Eisenüberladung in der Retina exazerbiert bei retinalen Krankheiten den Zelltod. Eine aktuelle Arbeit zeigt, dass der Eisengehalt im Glaskörper und in der subretinalen Flüssigkeit prädiktiv für das Ergebnis nach Amotio ist; sie demonstriert weiterhin ex vivo und in vivo Modellen, dass Transferrin die Apoptose und Nekrose aufhalten kann und somit neuroprotektiv sein könnte.

Daruich A, Le Rouzic Q, Jonet L, et al. Iron is neurotoxic in retinal detachment and transferrin confers neuroprotection. Sci Adv 2019; 5: eaau9940 eCollection 2019 Jan. Open Access 

Stellungnahme: Behandlung der trockenen AMD mit Nanosekundenlaser

Stellungnahme der Schweizerischen Ophthalmologischen Gesellschaft (SOG) und der Swiss Vitreoretinal Group (SVRG)

In den Schweizer Medien kursieren derzeit Berichte über positive Wirkungen einer Nanolaser-Behandlung von Frühformen der trockenen AMD. Die Schweizerische Ophthalmologische Gesellschaft (SOG) und die Swiss VitreoRetinal Group (Retina-Experten der SOG) weisen darauf hin, dass die Behauptungen zur Wirkung einer ausreichenden wissenschaftlichen Grundlage entbehren, sodass die Anwendung derzeit nicht empfohlen werden kann. Hier zum Wortlaut der Stellungnahme.