Aktuelle Fortbildungstermine

Hier zur Termin-Übersicht. Veranstaltungsmeldungen sind willkommen, bitte richten Sie diese an Frau Ulrike Bräunig, u.novotny faCHverlag.


 

Neues vom DRCR.net

Das DRCR-Netzwerk wurde zunächst für unabhängige Forschung zu diabetischen Netzhautkrankheiten gegründet. Seit 2019 ist es in DRCR Retina Network umbenannt. Beteiligt sind 150 klinische Zentren in den USA und Kanada. Das Netzwerk wird vom amerikanischen National Eye Institute unterstützt. Dr. Neil Bressler, Wilmer Eye Institute in Baltimore, fasste die neusten Informationen aus dem Netzwerk zum diabetischen Makulaödem zusammen.

Es ist wichtig, ein diabetisches Makula­ödem (DME) schon zu identifizieren, bevor sich der Visus verschlechtert, zu einem Zeitpunkt, in dem es sich im zentralen Subfield entwickelt. Generell sollte das Management des DME vom Visus gesteuert werden. Behandelt man bereits, bevor sich ein Ödem entwickelt, sind die Visus-Endergebnisse nicht besser.

Visus ≤ 20/32: Therapie mit anti-VEGF sollte diskutiert werden, im Mittel mit 14 Injektionen über 2 Jahre

Visus 20/32 bis 20/40: Hierbei erwies sich kein anti-VEGF dem anderen überlegen; es sollte nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten gewählt werden.

Visus ≤ 20/50: Klinisch relevanter Visus ist nach einem und 2 Jahren eher höher mit Aflibercept als mit Bevacizumab oder Ranibizumab für Patienten, die Protocol T entsprechen

Visus ≥ 20/25: Zu erwägen sind drei Optionen: a) Beginn mit Aflibercept, b) fokaler oder Grid Laser gefolgt von Aflibercept bei Visusverlust, c) Beobachtung gefolgt von Aflibercept bei Visusverlust. Das Visusergebnis ist für diese Optionen vergleichbar.

Bei mittelgradiger bis schwerer nicht-proliferativer diabetischer Retinopathie (NPDR) ohne DME verhindert Aflibercept visusbedrohliche Komplikationen einer PDR oder eines DME mit Visusverlust. Das Visusergebnis ist jedoch über zwei Jahre vergleichbar.

Bressler N. What’s new from the DRCR retina network DME - EURETINA Session 13, Retinal Vascular Diseases, Sept 11, 2021

 

Nicht-Ansprechen bei nAMD

Ein Kurs widmete sich dem Thema Non-Response. Im Spektrum der «nicht-optimalen» Antwort auf eine nAMD-Therapie mit VEGF-Hemmern müsse ein feineres Definitionsraster her, schlägt Dr. Jordi ­Monés, Direktor des Macula and Retina Institute Barcelona, vor.

Eine Definition des Ansprechens auf VEGF-Hemmer von 2015 (Amoku et al) unterteilte das Ansprechen auf die Ladephase und den weiteren Verlauf (primäre und sekundäre Response). Die Kriterien für das primäre Ansprechen reichen von «optimal» (> 5 ETDRS-Buchstaben Gewinn) bis zu «poor»: (1 – 4 Buchstaben Verlust) und Non-response (≥ 5 Buchstaben Verlust). Die Beurteilung des sekundären funktionalen Ansprechens ergibt sich aus dem primären Ansprechen und dem Verlauf mit oder ohne Therapie.

Vor allem für die Wertung des anatomischen Ansprechens, also den Nachweis und Entwicklung von subretinaler und intraretinaler Flüssigkeit – SRF, IRF – und intraretinalen Zysten in Relation zum Ausgangswert gab es neue Erkenntnisse. Daher sei diese 6 Jahre alte Übereinkunft zu aktualisieren.

Heute sei bekannt, dass sich Fluktuationen der Flüssigkeit längerfristig negativ auswirken. Nach aktueller Empfehlung sollte die Behandlung langfristig kontinuierlich ablaufen; am häufigsten derzeit ­mit Treat & Extend (T&E). Neue längerwirkende Medikamente oder Anwendungsformen erweitern die Optionen.

Eine neue Klassifikation sollte einfach, aber detailliert sein sowie anatomische und funktionelle Ergebnisse kombinieren. Hauptkriterium sollte der Visus bleiben. Das Ansprechen sollte mit einer gewissen Flexibilität im Rahmen zwischen 3 und 8 Monaten statt an einem fixen Zeitpunkt beurteilt werden.

Ursachen für einen von der exsudativen Krankheitskomponente unabhängigen Visusverlust sollten ausgeschlossen werden, wie Atrophie oder eine fibrotische Antwort. Selbstverständlich ist bei jeder Beurteilung des Ansprechens zunächst sicherzustellen, dass die Patienten nicht unterbehandelt sind.

Monés schlug ein 10-Punkte-System vor, das bestechend einfach erscheint, jedoch noch einer Validierung bedarf.

10 – 9 Punkte bedeuten ein exzellentes Ansprechen (T&E, keine Flüssigkeit/SRF/IRF) über ≥ 4 Monate (10 Punkte) oder 3 Monate (9 Punkte).

Gutes Ansprechen sind T&E ohne Flüssigkeit über mindestens 2.5 Monate (8 Punkte) oder 2 Monate (7 Punkte) und so weiter. Der unterste Punktewert 1 entspricht Non-Respondern: Unter T&E mit monatlichen Injektionen bleiben SRF oder IRF bestehen und der Visus ist dabei schlechter als der Ausgangswert.

«Refraktäre neovaskuläre AMD»

PD Dr. Irmela Mantel, Hôpital Jules-Gonin in Lausanne, definiert die refraktäre nAMD zunächst als retinale Flüssigkeit, die trotz monatlicher anti-VEGF-Therapie persistiert. Ursächlich sind zu differenzieren: Toleranzentwicklung, Ansprechen mit sehr kurzer Dauer, zusätzlich beeinflussende Faktoren, z. B. andere beteiligte Mediatoren ausser VEGF, Pseudo-Exsudation und «AMD-Masquerade». Bei Verdacht auf ein Ansprechen mit enger zeitlicher Begrenzung sollte der Patient schon eine Woche nach Injektion nachuntersucht werden. Zeigt sich hier eine deutliche anatomische / funktionelle Reaktion, so liegt eine gute kurzfristige Antwort vor. Die vierwöchentlichen Injektionen sind fortzusetzen («high-need»). Für Toleranzentwicklung spricht, wenn sich die Dauer des Ansprechens von Injektion zu Injektion verkürzt. Hier kann ein Switch sinnvoll sein.

Faktoren, die eine Verbesserung be- oder verhindern können, sind z. B. eine polypoidale choroidale Vaskulopathie, ein RPE-Riss, eine Entzündung oder Traktion.

Dass neben VEGF weitere Faktoren aktiviert sein können, ist beim komplexen Krankheitsgeschehen der AMD nicht unwahrscheinlich.

Einer AMD-Masquerade können u. a. zugrunde liegen: choroidale Neovaskularisation anderen Ursprungs, eine CSCR, posteriore Uveitis, ein postoperatives Ödem (Irvine Gass), eine Makuladystrophie und weitere. Eine Pseudo-Exsudation wird verursacht durch pseudovitelliformes Material mit Flüssigkeit, durch äussere retinale Tubulationen oder degenerative optisch leere Räume auf dem OCT.

Biomarker für Non-Response

Eine holländische Übersicht mit 20‘000 nAMD-Patienten unter anti-VEGF-Therapie zeigte 10 % Non-Responder, so Prof. Carel Hoyng, Universität NL-Radboud. Mit einem prädiktiven Biomarker für Non-Response könnten unnötige Behandlungen vermieden werden.

Die Gene spielen eine Rolle. Die Untersuchung von 397 Patienten zeigte, dass das Ansprechen bei Nachweis einer hohen Zahl von Hochrisiko-Allelen der Gene CFH, ARMS2 und VEGFA besonders schlecht ausfiel. Prädiktoren wie Alter, Ausgangsvisus, Läsionsgrösse und -typ, Rauchen, hoher BMI und Diabetes sind bekannt. Ein prädiktives Modell, das diese Faktoren kombiniert, sagt einen Visusverlust von ≥ 30 % voraus. Ein Nonresponse-Risiko über 50 % lässt sich bei einem in diesem Modell definierten Punktwert voraussagen.

EURETINA Instructional Course Non-Responders in Neovascular AMD: Mones J. Non-responders neovascular AMD concept and spectrum. Mantel I: Understanding refractory neovascular AMD. Hoyng C. Biomarker and predictive factors for non-response. EURETINA Virtual, Sept 9, 2021 

 

Potenzieller OCT-Marker für intra­okuläre Entzündungen

Dr. Justis Ehlers, Cleveland / Ohio, berichtete über präliminäre Ergebnisse einer OCT-Analyse von Augen, die in der HAWK-Studie eingeschlossen waren und bei denen unter Brolucizumab eine intraokuläre Entzündung eingetreten war.

Der Referent zeigte einige OCT-Befunde im Verlauf, bei denen Glaskörper-Debris und präretinale hyperreflektive Foci erkennbar waren. Sie liessen sich in leichter Andeutung schon vor der Manifestierung der klinischen intraokulären Entzündung beobachten. Der Nachweis dieser präretinalen hyperreflektiven Foci (PHF) könnte ein Hinweiszeichen und früher Biomarker werden, nicht nur für die Entzündung, sondern auch für damit korrelierte Vaskulitiden oder Gefässokklusionen. Derzeit wird dieser Marker auch in Befunden aus der HARRIER-Studie untersucht.

Ehlers J. The safety-specific, next-generation optical coherence tomography analysis from HAWK: Preliminary OCT findings associated with intraocular inflammation. EURETINA Virtual Meeting, September 10, 2021, Prize Paper Session 9, AMD III

 

Anti-VEGF und Mortalität nach Schlaganfall oder Herzinfarkt

Für VEGF-hemmende Substanzen ist selbst bei der lokal begrenzten Anwendung am Auge nicht ausgeschlossen, dass sie das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse erhöhen können. Daher ist bei thromboembolischen Ereignissen, die weniger als 6 Monate zurückliegen, hohe Umsicht gefordert. Dass und in welcher Grössenordnung sich die Therapie auf das Mortalitätsrisiko bei Patienten mit anti-VEGF-Behandlung und anamnestischen kardiovaskulärem Ereignis auswirkt, zeigte Yu-Yen Chen, Ophthalmologin in Taichung/Taiwan.

Der Wissenschaftlerin stand eine Datenbank mit 23 Millionen Personen aus Taiwan aus den Jahren 2005 und 2013 zur Verfügung. Sie extrahierte daraus Daten von nAMD-Patienten mit Schlaganfall- oder Herzinfarkt-Anamnese. Diese unterteilte sie in eine Gruppe, welche intravitreal (IVI) mit VEGF-Hemmern behandelt wurden und eine Kontrollgruppe, bei denen auf die VEGF-Therapie verzichtet wurde. Patienten der anti-VEGF-Kohorte wurden gematcht mit jeweils 4 Personenaus der Kontrollgruppe (nAMD/kardiovaskuläre Anamnese, aber keine VEFG- Hemmung). Die Ergebnisse beider Gruppen wurden hinsichtlich Alter, Geschlecht, Raucher-Anamnese, Adipositas und Begleitkrankheiten wie Diabetes, Hypertonie, Nierenversagen und Herzinsuffizienz korrigiert.

Knapp 3’400 Patienten in der IVI-Gruppe und 13’500 in der Kontrollgruppe wurden 9 Jahre nachbeobachtet. Studienendpunkte waren die kumulative Inzidenz der Mortalität und das Mortalitätsrisiko.

Die kumulative Inzidenz der Mortalität in der IVI-Gruppe betrug 16.8%, in der Nicht-IVI-Gruppe 8%. Die korrigierte Hazard Ratio (HR) betrug 2.36. Dabei zeigte sich eine klare Senkung des Risikos, je weiter das kardio­vaskuläre Ereignis bei Beginn der anti-VEGF-Therapie zurücklag: Waren weniger als 6 Monate verstrichen, lag die HR bei 4.84, also fast fünfmal so hoch wie in der Kontrollgruppe. Lag es mindestens zwei Jahre zurück, war das Risiko praktisch gleich (HR 1.06, 95% Vertrauensintervall 0.86 – 1.29) wie bei den Patienten mit Verzicht auf anti-VEGF. Bei anamnestisch zwischen 6 und 12 Monate zurückliegendem Ereignis war das Risiko immer noch 3.55-fach erhöht. Wartet man mindestens 1 Jahr, liegt die Risikoerhöhung nur noch bei HR 1.34.

1. Chen YY: Increased mortaility after intravitreal injections of anti-VEGF for neovascular AMD among patients with prior stroke or acute myocardial infarction. EURETINA Virtual, Prize Papers 6, Vitreoretinal Surgery II, Sept 10, 2021
2. Chen YY, Lai YJ, Yen YF, Chou P. Increased mortality after intravitreal injections of anti-VEGF for neovascular AMD among patients with prior stroke or acute myocardial infarction. Eye (Lond). 2021 Mar 2. doi: 10.1038/s41433-021-01416-1. Epub ahead of print. PMID: 33654317.

 

Systemische Medikation in Assoziation mit nAMD-Risiko

Systemisch eingenommene Medikamente könnten mit einem erhöhten Risiko einer feuchten AMD assoziiert sein. Eine finnische Arbeitsgruppe zeigte eine Korrelation zu zwei Calciumblockern der 2. Generation, den Dihydropyridinen Amlodipin und Felodipin.

Dr. Sirpa Loukovaara, Universität Helsinki, erhielt für die retrospektive Studie den «Best ePoster»-Preis. Die Patienten ihrer Studienpopulation waren zum Studieneinschluss mindestens 40 Jahre alt und hatten zu diesem Zeitpunkt keine Diagnose einer feuchten AMD. Die Daten der knapp 260’000 Patienten wurden auf Einnahme von 85 verschiedenen Medikamenten geprüft. Über die Beobachtungsdauer von im Mittel 10 Jahren trat bei 2947 Patienten eine nAMD auf (1.15 pro 1000 Personenjahre). Nach Korrektur hinsichtlich Alter, Geschlecht, Diabetes, einer Krebsdiagnose und sozioökonomischer Gruppe fand sich ein um 33 % erhöhtes Risiko des Auftretens einer feuchten AMD bei Einnahme des Antihypertensivums Amlodipin und um 24 % erhöht für Felodipin. Ein direkter Zusammenhang mit arterieller Hypertonie zeigte sich nicht.

Loukovaara S. Associations between systemic medications and development of wet age-related macular degeneration. EURETINA Virtual Prize Paper Session 9, AMD III Sept 11, 2021

 

Kurzes Intervall, treuerer Patient?

Das Fight Retinal Blindness!(FRB!)-Register enthält aktuell mehr als 20’000 Datensätze von Patienten mit neovaskulärer AMD. Es bildet den klinischen Alltag ab. Prof. Mark Gillies, Sydney, zog die Daten heran, um den Einfluss der Behandlungsabstände auf die Patiententreue zu untersuchen.

Je länger der Abstand zwischen zwei intravitrealen Injektionen ist, desto eher bleiben Patienten bei der Stange, so die gängige Überlegung. Ein Fernbleiben von der Behandlung für mindestens 6 Monate wird als Non-Persistenz gewertet, ebenso wenn die Therapie direkt abgelehnt wird. Im FRB!-Register lag der Anteil der dieser Definition entsprechenden Therapieabbrecher über 2 – 5 Jahre bei 43 %, so Gillies. Eingeschlossen in die Studie zur Persistenz wurden rund 1500 Patienten mit mindestens zweijähriger Beobachtungsdauer und mindestens vier Injektionen.

Ein Risikofaktor für einen ungeplanten Therapieausstieg war das Alter: pro Lebensjahr steigt die Non-Persistenz um 2 %. Ebenso erhöht war das Risiko bei 6-Wochen-Behandlungsintervallen; keinen Einfluss hatte ein 8-Wochen-Intervall; bei längeren Intervallen nahm jedoch die Wahrscheinlichkeit für Non-Persistenz signifikant zu, nicht ab.

Das kann an der Krankheitscharakteristik liegen: Kürzere Intervalle sind bei aktiverer Krankheit notwendig. In dieser Situation macht sich eine Visusverschlechterung bei Nichteinhalten der Intervalle rasch bemerkbar. Solange die Patienten einen unmittelbaren Nutzen erkennen, bleiben sie der Behandlung leichter treu.

Wichtig ist es, die Patienten schon früh zu informieren: «Die meisten Patienten bemerken nach den ersten Injektionen rasch eine Verbesserung. Sobald wir die Krankheit stabilisiert haben, ist das vielleicht nicht mehr der Fall, aber das heisst nicht, dass man dann die Behandlung beenden kann.» Besonders wenn die länger wirksamen Medikamente und Applikationsformen zum Einsatz kommen, sollten die Patienten von Beginn an entsprechend gründlich aufgeklärt werden.

Gillies M. Shorter treatment intervals are associated with higher treatment compliance than longer treatment intervals in a treat-and-extend-regimen for nAMD. EURETINA Virtual Meeting, September 10, 2021, Prize Paper Session 9, AMD III

 

ESBATech, eine Erfolgsgeschichte

 

Nicht nur Forscher, auch Pharma- und Medtech-Firmen kennen Exzellenz-Wettbewerbe. Im Herbst 2021 wurde ESBATech, Schlieren, mit dem Swiss Biotech Success Stories Award ausgezeichnet. Das seit zehn Jahren zu Novartis gehörende  Unternehmen schlug erfolgreich neue Wege in der Entwicklung von Antikörpern ein. Brolucizumab (Beovu®) ist das erste zugelassene Produkt, das dank der ESBATech-Plattform entstand. Der Weg dorthin ist spannend.

Den Award 2021 der Swiss BioTech Association nahm ESBATech-Mitgründer und CEO (bis 2016) Dr. Dominik Escher entgegen. Ausgezeichnet wurde die innovative technologische ESBATech-Plattform zur Identifikation hochstabiler löslicher scFv-Antikörperfragmente. Dominik Escher, Alcide Barberis und Adrian Escher gründeten ESBATech 1998 als Spin-off der Universität Zürich. Schon 10 Jahre vor ESBATech-Gründung wurden bestimmte Antikörperfragmente (singlechain fragment variable scFv) beschrieben, die als relativ kleine Moleküle für therapeutische Einsatzgebiete attraktiv erschienen.

Doch zahllose Studien mit Antikörperfragment-Kandidaten schlugen fehl. Pharmakologische Ziele konnten zwar identifiziert und passende Antikörperfragmente entwickelt werden, aber die Weiterentwicklung zur Marktreife scheiterte an zu geringer Molekülstabilität und unlösbaren Herstellungsbedingungen. Das Erfolgsrezept der ESBATech-Grunder war ihr gewissermassen auf den Kopf gestelltes Herangehen an die Entwicklung von Antikörperfragmenten. An erster Stelle stand die Suche nach natürlicherweise stabilen humanen Antikörperfragmenten. Dominik Escher beschreibt die biochemische Knochenarbeit, die dahintersteckt und die Jahre erforderte. Erst dann konnten die nächsten Schritte folgten: Diese selektionierten stabilen Antikörperfragmente mussten so modifiziert wurden, dass sie ein Target binden konnten, welches in einer bestimmten Krankheit relevant ist und für eine gezielte Therapie neutralisiert werden muss. Ruckblickend kann man jetzt sagen: Der Weg der drei Firmengründer hat seine volle Bestätigung erhalten, in dem ein Produkt Marktreife und Swissmedic-Zulassung erreicht hat: das Single Chain-Antikörperfragment Brolucizumab (BeovuR, Novartis). Wie kam es zur Anwendung am Auge? ≪Wir sind auch hier mit unserem Ansatz gegen den Strom geschwommen≫, sagt Dominik Escher. Die meisten Unternehmen, die Fragmente als Alternative zu normalen Antikörpern testeten, gaben den Vorteil des kleinen Proteins auf, um es durch Umbau in ein grösseres Molekül systemisch anwenden zu können. Ein kleines Molekül wie Brolucizumab wurde bei systemischer Gabe sofort wieder eliminiert. ESBATech fokussierte daher bewusst auf die Applikation in abgegrenzten Raumen: Neben dem Auge auch in Gelenken und in der Dermatologie. Spannend erscheint die Entwicklung des ersten scFv für die topische Anwendung, welcher in die Vorderkammer penetriert. Dieses scFv konnte künftig bei Uveitis und trockenem Auge über Augentropfen verabreicht werden. Auch dieses Produkt genoss das Sponsoring durch Novartis, wird aber derzeit von Oculis in Lausanne weiter vorangebracht. Das hierbei adressierte Ziel ist der Tumornekrosefaktor. Er tritt in einer 1000-fach geringeren Konzentration auf als VEGF zum Beispiel bei den Indikationen für Brolucizumab. Wegen der hohen intraokularen VEGF-Konzentration bei retinalen Krankheiten bleibt eine topische Anwendung hierfür noch sehr unwahrscheinlich. Was aber denkbar wäre, ist die Kombination einer Ladedosierung intravitreal mit anschliessender Erhaltungstherapie in topischer Anwendung. ≪Dies geht jedoch über unsere Arbeiten hinaus≫, erklärt Escher. Er erforscht inzwischen mit einer neuen Biotech Firma CDR-Life zusammen mit Boehringer Applikationen für die trockene AMD.

Wir wünschen ihm und den Patienten weiteren Erfolg. •                                                                                     Ulrike Heller-Novotny


scFv – etwas genauer

Ein einkettiges variables Fragment (scFv) ist ein Fusionsprotein der variablen Regionen der schweren und leichten Ketten von Immunglobulinen, verbunden mit einem kurzen Peptid-Linker aus 10 – 25 Aminosauren. Das scFv behält die Spezifität des ursprünglichen Immunglobulins trotz Entfernung der konstanten Regionen und der Einführung des Linkers (nach Wikipedia).


 

Basler Fortbildungstage "Retina 21"

Basler Fortbildungstage «Retina 2021»
Basel, Switzerland / 26. & 27. November 2021

www.baslerfortbildungstage.ch

Bitte beachten: Neu findet der Kongress im Biozentrum Basel statt.

 


 

Prix Retina

Magnetresonanztomogramme am bewegten Auge

Der diesjährige Prix Retina (verliehen von der SVRG, Sponsor: Novartis) zeichnet eine Arbeit aus, die einen enormen Fortschritt in der Magnetresonanztomographie bedeutet: Mit der in Lausanne entwickelten Technik lässt sich auch das bewegte Auge darstellen, sogar unter dem geschlossenen Lid. (Bitte lesen Sie hier den kompletten Artikel)

 

Aktuelle SVRG-Stellungnahmen

Die Stellungnahmen der SVRG finden Sie im eigenen Menüpunkt

  • Zur Untersuchung ehemaliger Frühgeborener mit Retinopathie (ROP, retinopathy of prematurity)
  • Zu intravitrealen Injektionen während COVID
  • Zur off-label-Verwendung von Spritzen und Kanülen 
  • Zu Brolucizumab
  • Zum Nanolaser bei früher trockener AMD

 

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Eine Arbeitsgruppe stellt sich vor: Swiss VitreoRetinal Group (SVRG)

Gastbeitrag von Dr. med. Martin K. Schmid, Präsident

Die Swiss VitreoRetinal Group (SVRG) ist eine Arbeitsgruppe der SOG. Die Mitgliedschaft steht allen SOG-Mitgliedern offen, die sich besonders für Themen rund um die Netzhaut interessieren. Die Arbeitsgruppe fördert den kollegialen Austausch von Wissen zwischen den in der Schweiz tätigen Netzhautspezialistinnen und Netzhautspezialisten untereinander und sorgt für den Transfer des Spezialwissens zu den übrigen Augenärztinnen und Augenärzten.
 
Die SVRG engagiert sich aktiv in der augenärztlichen Fortbildung. Das jährlich durchgeführte «Retina Update» fördert mit Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland den Wissenstransfer aktueller retinologischer Themen in die ophthalmologische Praxis. Ein grosses Anliegen ist auch die Nachwuchsförderung von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die auf dem Gebiet der Retina forschen. Jährlich können, dank Sponsoren aus der Industrie, mehrere zweckgebundene Förderpreise für herausragende wissenschaftliche Publikationen und Projekte vergeben werden.
 
Da einige Netzhauterkrankungen einen engen Bezug zu systemischen Erkrankungen aufweisen, wie etwa der Diabetes mellitus, engagiert sich die SVRG intensiv für die Verbesserung der interdisziplinären Kommunikation zwischen Ophthalmologinnen, Ophthalmologen und weiteren Fachpersonen.
 
Zu den weiteren aktuellen Projekten zählt unter anderem der Aufbau einer elektronisch gestützten Wissensplattform zur Diagnose und Behandlung von Netzhauterkrankungen. Ebenso setzt sich die SVRG mit der Qualitäts- und Deontologiekommission der SOG für die Etablierung von Qualitätsstandards zur Behandlung von Netzhauterkrankungen ein.
 
Die Gruppe umfasst etwas über 50 Mitglieder. 
 
Der Vorstand der SVRG besteht aus den folgenden Mitgliedern

  • Dr. med. Martin K. Schmid, Luzern | Präsident
  • Dr. med. Guy Donati, Genf | Vizepräsident
  • PD Dr. med. Irmela Mantel, Lausanne | Kassierin
  • Prof. Dr. Dr. med. Daniel Barthelmes, Zürich | Sekretär
  • Prof. Dr. med. Matthias Becker, Zürich
  • Dr. med. Corina Lang, St. Gallen
  • Prof. Dr. med. Hendrik Scholl, Basel
  • Prof. Dr. Dr. med. Martin Zinkernagel, Bern

 

Pressemitteilung

Brolucizumab: Novartis informiert proaktiv

  • In prospektiven randomisierten kontrollierten Studien wurde der VEGF-HemmerBrolucizumab auch nach der Ladephase in Vier-Wochen-Injektionsabständen für verschiedene Indikationen geprüft. Novartis informierte, dass die Studien mit diesen Regimes gestoppt wurden.
  • Grund hierfür ist ein sich aus den bisherigen Studiendaten ergebender Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für intraokuläre Entzündungen gegenüber den Vergleichsarmen.
  • Es bleibt für die bisher zugelassene Anwendung unverändert wichtig, Brolucizumab innerhalb des Labels einzusetzen. Dies bedeutet: Keine Vier-Wochen-Intervalle nach der Loading Dose.
  • Die SVRG erarbeitet derzeit eine entsprechende Kommunikation.
  • Hier zur Medienmitteilung von Novartis (28. Mai 2021) Text: UNo

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Optogenetische Therapie beim Menschen wirksam

Nature-Publikation zum ersten erfolgreichen Einsatz bei einem Patienten

Ein erblindeter Patient gewann durch eine optogenetische Behandlung einen Teil seines Sehvermögens zurück. Ein internationales Forschungsteam mit  Letztautor Prof. Dr. Botond Roska publiziert diese Fallbeschreibung in «Nature Medicine». Prof. Roska ist mit Prof. Hendrik Scholl Direktor am Institut für Molekulare und Klinische Ophthalmologie IOB Basel, Erstautor Prof. José-Alain Sahel arbeitet an der Sorbonne Paris; das internationale Forscherteam umfasst Mitarbeiter:innen in weiteren Pariser Kliniken, am Moorfields Hospital in London und an der Universität Pittsburgh.

Der mit der optogenetischen Methode behandelte 58-jährige Patient erhielt vor 40 Jahren die Diagnose Retinitis pigmentosa, in deren Verlauf er erblindete. Mehr als 70 bekannte Gene können diese Krankheit verursachen. 
Bei der Optogenetik lassen sich lebensfähige Zellen in der Netzhaut durch Licht aktivieren und deaktivieren. Der genetische Bauplan für lichtempfindliche Proteine wurde durch einen Virusvektor in die erkrankten Netzhautzellen in ein Auge des Patienten eingebracht, das zweite Auge diente als Kontrolle. Die nach diesem Bauplan synthetisierten Proteine können Lichtreize in Signale umwandeln, die über den Sehnerven im ZNS weiterverarbeitet werden. Nach Verstärkung der Lichtsignale durch eine Spezialbrille kann der Patient auf einem weissen Tisch liegende Objekte erkennen (Abbildung Sahel/Nature), zählen, lokalisieren und berühren, wie die Forschenden um Botond Roska und José-Alain Sahel berichten. Auf der Strasse könne der Patient den Zebrastreifen erkennen und die Anzahl der Streifen zählen.

«Das ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg hin zu einer Therapie für Menschen mit genetischen Augenkrankheiten», sagte Prof. Roska, Basel (IOB) und Professor an der Universität Basel. Vor rund 13 Jahren berichteten er und sein Team erstmals, dass blinde Mäuse nach einer optogenetischen Behandlung wieder sehen konnten.

Die Behandlung erfordert ein intensives Training, um die geänderte Signalübertragung zentral richtig zu verarbeiten. Im beschriebenen Fall begann der Patient 4.5 Monate nach der Injektion mit der Spezialbrille, welche die empfangenen Signale verstärkt und auf die Retina projiziert. Ab dem 7. Monat nach Beginn des Trainings begann der Patient, über Anzeichen einer Sehverbesserung zu berichten, schreiben die Forschenden. Weil Retinitis pigmentosa-Patienten in den ersten Lebensjahren zunächst ein normales Sehen entwickeln, kann das Gehirn bereits auf Seheindrücke zurückgreifen, was diese Art der Therapie erleichtert. Sie verspricht noch keinen Visus auf Niveau Zeitunglesen oder Gesichtererkennen, aber ein verbessertes Zurechtfinden im Alltag und damit einen Gewinn an Lebensqualität. Nach diesem ersten Erfolg werden weitere Untersuchungen folgen müssen. Dennoch ist dieses Ergebnis ein grosser Meilenstein der Ophthalmologie. 

Sahel JA, Boulanger-Scemama E, Pagot C, Arleo A, Galluppi F, Martel JN, Esposti SD, Delaux A, de Saint Aubert JB, de Montleau C, Gutman E, Audo I, Duebel J, Picaud S, Dalkara D, Blouin L, Taiel M, Roska B. Partial recovery of visual function in a blind patient after optogenetic therapy. Nat Med. 2021 May 24. doi: 10.1038/s41591-021-01351-4. Epub ahead of print. PMID: 34031601.
Pressemitteilung IOB

 

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Myope Makulopathie: Inzidenz in Europa

Grosse Kohortenstudie aus Deutschland am ARVO präsentiert

Das Thema « Myopieprogression » ist brisant, weil eine höhere Myopie mit dem Risiko einer späteren myopen Makulopathie einhergeht. Die Gutenberg Health Study aus Deutschland lieferte am ARVO Fünf-Jahres-Zahlen zur Inzidenz.1 Ebenfalls liegt von der gleichen Studiengruppe eine publizierte Arbeit vor.2 Die Zahlen und Ergebnisse sind nicht ganz die gleichen, deuten aber in dieselbe Richtung.

In der Bevölkerungsstudie wurden Daten von mehr als 15 000 Teilnehmern im Alter zwischen 35 und 74 Jahren analysiert; bei Personen  einer Myopie von mindestens -6 D wurde die Makula aufgrund von Fundusfotos gemäss der internationalen Klassifikation META-PM beurteilt.

Gemäss der im British Journal of Ophthalmology publizierten Arbeit2 erfüllten 801 Augen von 519 Teilnehmern das Kriterium der Myopie von mindestens -6 D (mittleres Alter 51.0 Jahre) und hatten klassifizierbare Fundusfotografien. Unter ihnen wiesen 10.3% eine myope Makulopathie auf, weit überwiegend in Form einer diffusen Atrophie. Pro Altersjahr stieg das Risiko einer myopen Makulopathie um 7%. Auch die Ausprägung der Myopie spielte eine Rolle, wie am ARVO erwähnt wurde: hier stieg das Risiko pro Dioptrie über -6 D um 62%.  

Die Inzidenz über 5 Jahre betrug gemäss der ARVO-Präsentation 3 Neuerkrankungen an myoper Makulopathie auf 1000 Einwohner (0.3%).

Bei den betroffenen Augen schritt die Makulopathie in 50% innerhalb der 5 Jahre fort.1

Fazit

  • Die Inzidenz der myopen Makulopathie über 5 Jahre betrug in dieser grossen europäischen Kohortenstudie 0.3% der Bevölkerung von 34 - 74 Jahren.
  • 7% der Personen mit Myopie über -6D entwickelten eine myope Makulopathie.
  • Je stärker die Myopie ausgeprägt war, desto höher das Risiko (OR 1.62 pro Dioptrie).

 

1. Hopf S, Heidt F, Korb C, et al.  Five-Year cumulative Incidence and Progression of Myopic Maculopathy in the German population – results from the Gutenberg Health Study.  ARVO 2021 abstract and video presentation
2. Hopf S, Korb C, Nickels S, Schulz A, Münzel T, Wild PS, Michal M, Schmidtmann I, Lackner KJ, Pfeiffer N, Schuster AK. Prevalence of myopic maculopathy in the German population: results from the Gutenberg health study. Br J Ophthalmol. 2020 Sep;104(9):1254-1259.

 

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Weltnichtrauchertag 2021

Raucher haben ein 83% höheres AMD-Risiko

Am 31. Mai 2021 findet der Weltnichtrauchertag statt. Die WHO startet in diesem Rahmen "Commit to Quit", eine Einjahres-Kampagne. Auch aus augenärztlicher Sicht lohnt der Rauchverzicht unbedingt:

  • Aktive Raucher haben eine um 83% höhere Inzidenz an AMD gegenüber Nichtrauchern (1)
  • Das Kataraktrisiko ist bei aktiven Rauchern um 30% erhöht (2)
  • Die Endokrine Orbitopathie wird bei Rauchern so häufig beobachtet, dass Rauchen als häufigster vermeidbarer Risikofaktor bezeichnet wurde (3)
  • Nikotin als Neurotoxin erhöht das Glaukomrisiko (4)
  • Trockene Augen werden bei Rauchern signifikant häufiger angetroffen (5)

Ein Rauchstopp senkt diese Risiken, sodass auch Augenärzte dazu ermuntern sollten. In Deutschland rufen die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft und ihr Generalsekretär Prof. Dr. med. Claus Cursiefen, dazu auf, Raucher auch bezüglich ihrer Augengesundheit zum Beenden des Nikotingenusses zu motivieren. Die Schweizer Krankenkassen führen hier auf, welche Massnahmen sie unterstützen. 

 

Referenzen

1. Klein R. et al. The Prevalence of Age-Related Macular Degeneration and Associated Risk Factors. Arch Ophthamol. 128, 750-758 (2010).
2. Hae Jeong L. et al. Association between cataract and cotinine-verified smoking status in 11 435 Korean adults using Korea National Health and Nutrition Examination Survey data from 2008 to 2016. J Cataract Refract Surg. 46, 45-54 (2020).
3.  Bartalena L, Piantanida E, Gallo D, Lai A, Tanda ML. Epidemiology, Natural History, Risk Factors, and Prevention of Graves' Orbitopathy. Front Endocrinol (Lausanne). 2020;11:615993.
4. Rüfer F. Sekundäre Neuroprotektion beim Glaukom durch Lebensstiländerungen. Klin Monatsbl Augenheilkd. 237, 158–162 (2020).
5. Yu, K. et al. Systemic Conditions Associated with Severity of Dry Eye Signs and Symptoms in the Dry Eye Assessment and Management Study. Ophthalmology 2021 Mar 27;S0161-6420(21)00235-9.
Pressemitteilung DOG vom 27.05.2021

 

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Interessanter Link: Optic Disc Drusen

 

The Optic Disc Drusen Studies (ODDS) consortium is an international alliance of researchers in optic nerve disorders with a special interest in optic disc drusen. Members are from 9 different countries worldwide; the coordination center is in Copenhagen, Denmark. The aim of the consortium is to provide an international forum for optic disc drusen research and clinical topics, where multicenter genotype-phenotype studies and structure-function correlation studies are performed in order to elucidate the mechanisms of optic disc drusen related visual loss.

The ODDS website provides insight in their research, for lay people as well as for professionals. Published papers of the group with short abstracts are listed. Coming soon is the section "pearls and pitfalls". Peter Maloca, IOB, is one of the members.


 

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Kennen Sie den Jules-Gonin-Blog?

Im Blog « Entrevoir » der Fondation Asile des aveugles stellt Clémentine Fitaire Dr. Irmela Mantel drei Fragen zu «Revolutionen in der Netzhautbildgebung».

Dr. Irmela Mantel ist mitverantwortlich für die Medical Retina Unit in der Jules-Gonin-Augenklinik. Sie spricht von einer Revolution in der Netzhautbildgebung.

Hier der Link zu Imagerie de la rétine - Dre Irmela Mantel - Hôpital ophtalmique


 

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Retina-Themen Frühjahr 2021

Eine neue Nomenklatur bei AMD, Phase-III-Ergebnisse zu Faricimab und die epiretinale Gliose sind Themen, über welche an aktuellen Kongressen viel zu hören ist.

Der Terminus CNV (choroidale Neovaskularisation) wird künftig «out» sein, so PD Dr. Katja Hatz, Binningen, und PD Dr. Peter Maloca, Basel, an einem Vortrag anlässlich der 5. Swiss Academy of Ophthalmology. Nach neuer Konsensus-Nomenklatur spricht man jetzt von MNV, makulärer Neovaskularisation.

Die okkulte CNV wird neu als Typ-1-MNV bezeichnet, die klassische CNV als Typ-2-MNV (Mischformen sind möglich) und die retinale angiomatöse Proliferation ist neu die Typ-3-MNV. Da die Nomenklatur auf Charakteristika der Bildgebung beruht, werden die Referenten auch in kommenden Workshops und Vorträgen und in ophta informieren.

Phase-III-Resultate zu Faricimab bei nAMD und bei diabetischem Makulaödem (DME) wurden an einem Kongress im Februar 2021 veröffentlicht.1,2 Der bispezifische Antikörper inhibiert VEGF-A und Angiopoietin-2 (Ang-2). Der Angiopoietin-Signalweg ist für die GefässstabilitÄt und Homöostase wichtig. TENAYA und LUCERNE verglichen bei nAMD fixe Injektionsintervalle von Aflibercept (alle 8 Wochen) und Faricimab (fixe Intervalle von 8, 12 oder 16 Wochen entsprechend der Läsionsaktivität bei Woche 20 und 24, 4 Ladedosierungen). YOSEMITE und RHINE sind Phase-III-Studien bei DME, mit personalisiertem und mit fixem 8-Wochen-Intervall für Faricimab und fixem Intervall für Aflibercept (im «personalisierten» Arm mit Sham-Injektionen zur Verblindung). Die Einjahres-Resultate ergaben beim Visus Noninferiorität, bei anatomischen Endpunkten Vorteile für Faricimab. Bis zu 52 % der Patienten kamen mit einem 16-Wochen-Intervall aus.

Anlässlich der Augenärztlichen Akademie Deutschland (AAD) informierte der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands die Öffentlichkeit über die epiretinale Gliose (Macular pucker). Wie bei der AMD, über sich im Netz eine Flut an Informationen findet, können Linien verzerrt erscheinen und der Visus abnehmen. Die Therapie der epiretinalen Gliose unterscheidet sich dagegen völlig. In ausgeprägteren Fällen steht die Vitrektomie zur Diskussion, um die Membranen abzulösen. 

Referenzen
Heier J, et al. Faricimab in neovascular age-relatied macular degeneration, TENAYA and LUCERNE Study Results.
Wykoff C, Faricimab in DME, YOSEMITE and RHINE Studie results, Vorträge am Kongress Angiogenesis, Exudation, and Degeneration, Bascom Palmer Eye Institute (Miami), 13.02.21
 

 

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Nature-Beitrag von PD Dr. Peter Maloca, IOB Basel

Licht in die Black Box geworfen

In der Retinadiagnostik ist die Artificial Intelligence angekommen. Mithilfe von Deep Learning-Mechanismen können Pathologien erkannt werden, ohne vorab zu definieren, wonach gesucht werden soll. Die diagnostische Genauigkeit der AI liegt dabei höher als die von Experten. Aber welche internen Rechenoperationen sich im Hintergrund abspielen, gleicht jedoch in der Regel einer Black Box. Im Nature-Beitrag von P. Maloca und Arbeitsgruppe (Communications Biology 4, 05.02.2021) wird eine Applikation vorgestellt, die zu transparenteren Maschinenlernprozessen führen und damit auch Anwendungen weiter optimieren könnte.

Unraveling the deep learning gearbox in optical coherence tomography image segmentation towards explainable artificial intelligence
 


 

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Versorgung einer rhegmatogenen Amotio retinae: Aktuelle Stellungnahme deutscher Fachgruppen

Stellungnahme von DOG, BVA und der Retinologischen Gesellschaft (Deutschland)

Im Oktober 2020 haben drei deutsche ophthalmologische Fachgesellschaften eine gemeinsame Stellungnahme zur zeitlichen Planung der Versorgung einer rhegmatogenen Amotio formuliert. Seit Januar 2021 ist sie im OPHTALMOLOGEN publiziert (Springer).

PDF der Stellungnahme vom Stand Oktober 2020 (auf der Website der DOG, ausserhalb der redaktionellen Verantwortung der SOG).


 

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Swiss Retina Update 2020

Hier kommen Sie zu den Referaten 


 

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Aktuelle Literatur: Retinabefunde bei COVID-19 und andere

Aktuelle Literatur


 

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Mehr Aktuelles aus 2020 finden Sie im Archiv